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Hans-Joachim Gauck

Bundespräsident a.D.

„100 Jahre Waldorfschulen – Frei, kreativ und mit Verantwortung“

Blickt man auf 100 Jahre Waldorfschule zurück, kommt einem vieles in den Sinn, nur nicht, dass die Schulen, die das anthroposophische Weltbild von Rudolf Steiner in die Realität übersetzen, von einem Zigarettenfabrikanten gegründet wurden. Emil Molt, Direktor der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, bat im September 1919 Rudolf Steiner, eine Schule für die Kinder der bei ihm beschäftigten Arbeiter pädagogisch zu betreuen. Und diese Astoria-Schule aus Stuttgart ist das Modell für alle späteren Waldorfschulen.

Kurz vor dem Ende des Ersten Weltkrieges entstand so eine Schulform, die den Menschen mit seinen individuellen Fähigkeiten in den Blick nahm. Erkenntnisgewinn durch die Stärkung der eigenen Persönlichkeit. Aus dem obrigkeitstreuen Untertan sollte der mündige und selbstverantwortliche Bürger werden. Selbstbewusste und empathische Menschen sollten den Aufbruch in eine demokratische Zukunft gestalten.

Doch schon 1935 wurde die Anthroposophische Gesellschaft verboten. Die Nationalsozialisten schlossen nach und nach alle Waldorfschulen. Die freie Willensbildung, die Erziehung zu einer freien, unabhängigen Persönlichkeit passt grundsätzlich nicht zum Menschenbild von Diktaturen. Und so gab es auch in der DDR keine Waldorfpädagogik. Erst nach der Friedlichen Revolution, kurz vor der Deutschen Einheit, eröffnete am 1. September 1990 als erste die Freie Schule am Zernsee in Werder. 

Heute gibt es rund 1.200 Waldorfschulen und ca. 2.000 Waldorfkindergärten in mehr als 80 Ländern und auf allen Kontinenten – in Townships in Südafrika und Favelas in Brasilien bis zum Silicon Valley, interessanterweise schicken zahlreiche Manager von IT-Unternehmen ihre Kinder wegen des zurückhaltenden Medieneinsatzes in den ersten Schuljahren in die dortige Waldorfschule. 

In einer zunehmend digitalen Welt, in der sich auch unser demokratisches Miteinander zunehmend verändert, sind das freie Denken und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, wichtige Fähigkeiten. Wenn nur noch „Likes“ zählen, wenn Fakten und selbst die Wahrheit von Populisten aller Couleur in Frage gestellt werden, dann braucht es die Fähigkeit zur Resilienz, die Stärke, zu hinterfragen und den Mut, zu widersprechen, so wie Waldorfschulen es weltweit ihren Schülerinnen und Schülern vermitteln. 

Ihr Pädagogisches Konzept steht für die Vielfalt und das Verbindende der Kulturen, für die Ideale von Freiheit und gleicher Würde.

Für Ihre Jubiläumsfeier wünsche ich Ihnen alles Gute.

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Markus Söder

Ministerpräsident Bayern

Einhundert Jahre nach der Gründung der ersten Waldorfschule in Stuttgart bereichern mehr alszwanzig Freie Waldorfschulen die Pädagogik in Bay ern.DasisteineguteGelegenheit,ihrenLehrerinnenund Lehrerneinherz liches Wort des Dankes zu sagen.

PrivateEinrichtungenwiedieFreienWaldorfschulengehörenzum leis tungsstarken bayerischen Schulwesen. Als staatlich genehmigte Ersatz schulen von ausgeprägter Individualitäterweitern sie das pädagogische Angebot,ausdem ElternfürihreKinderdasPassendewählenkönnen.

Bayern investiertin moderne und zeitgemäße Bildung.Das giltfüralleLan desteileundfüröffentlichewiefürprivateSchulen.Auch dieFreienWal dorfschulen profitieren von dieser staatlichen Förderung.

Die Freien Waldorfschulen kommen aus der Reformpädagogik des 20. Jahrhunderts.Sie waren damals Avantgarde und haben mutig neue Wege beschriften.DerMutzuNeuem istbisheutewichtigundwertvoll!

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Yvonne Gebauer

Bildungsministerin Nordrhein-Westfalen

Die erste Waldorfschule wurde 1919 in Stuttgart gegründet. Mit Stolz kann die Waldorfbewegung diese 100-jährige Erfolgsgeschichte inDeutschland feiern.

Auch Nordrhein-Westfalen kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Insgesamt 58 Waldorfschulen bereichern unsere bunte Schullandschaftund zeigen, dass die anthroposophische Pädagogik eine hoheAnziehungskraff ausübt. Der Epochenunterricht, die künstlerisch- handwerklichen Schwerpunkte und der bildhaffe Unterricht tragenhierzu sicherlich einen entscheidenden Teil bei. Lernen ist mehr alsreine Wissensvermittlung. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Waldorf- pädagogik und des Menschenbildes von Rudolf Steiner. Die Ideen und Umsetzungen, die sich daraus entwickelt haben, können auch anderenein Vorbild sein.

Als Land haben wir durch entsprechendes Prüfungsrecht dieVoraussetzungen geschaffen, dass an Waldorfschulen neben dem Wal-dorfabschluss nach Klasse 12 auch alle staatlichen Abschlüsse der Sekundarstufe I und 11 erreicht werden können. Damit können die

Waldorfschulen ein breites Abschlusspoföolio sicherstellen.

Anlässlich von Schulbesuchen bekomme ich einen Einblick in denSchulalltag und bin immer wieder beeindruckt von der Leistungs- fähigkeit der Waldorfschulen. Ich bin mir sicher, dass sie in Nordrhein- Westfalen auch zukünffig eine unverwechselbare Rolle spielen werden.

Zu dem 100-jährigen Bestehen gratuliere ich ganz herzlich unde den Waldorfschulen für die kommenden Jahre und Jahrzehnte

alles erdenklich Gute!

Yvonne Gebauer

Alexander Lorz

Kultusminister Hessen

Liebe Leserinnen und Leser,

die Waldorfbewegung feiert ihren 100. Geburtstag - zu diesem besonderen Jubiläum gratuliere ich Ihnen sehr herzlich.

Die Waldorfbewegung ist eine Erfolgsgeschichte! Sie begann vor 100 Jahren, als ihr Gründer Rudolf Steiner in der unruhigen Zeit nach dem Ende des 1. Weltkriegs für soziale Reformen warb und als entschlossener Unternehmer durch die Gründung einer neuartigen Schule konkrete Schritte wagte.

Die globale Ausbreitung bis in die hintersten Winkel der Erde erfolgte ab Mitte der 1980er Jahre. Es sind die Eltern, die für das Wachstum sorgen. Sie wollen eine Zukunft in der eine gesunde Entwicklung und gesellschaftliche Partizipation möglich ist. Die Waldorfschulbewegung ist mit etwa 1.100 Schulen und über 2.000 Kindergärten zu einer der größten freien Schulbewegungen weltweit geworden.

Mit Ihrem Jubiläumsmotto „Learn to change the world“ knüpfen Sie an Ihre Ursprünge an. Der Ansatz einer gleichwertigen Förderung intellektueller, handwerklicher und künstlerisch-musischer Fähigkeiten macht Sie mit Ihren Einrichtungen auch 100 Jahre später zum Vorreiter und Impulsgeber. Sie tragen – gerade auch in Hessen – zu einer lebendigen und vielfältigen Bildungslandschaft bei.

Ich gratuliere allen Vereinsvorsitzenden, Geschäftsführungen, Schulleitungen, Lehrkräften, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in den vergangenen 100 Jahren zu der erfolgreichen Entwicklung beigetragen haben, auf die Sie alle stolz sein können.

Ihnen allen wünsche ich für die Zukunft weiterhin eine starke Gemeinschaft, Erfolg und Freude an der Arbeit mit den Kindern, Schülerinnen und Schülern und den jungen Erwachsenen.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. R. Alexander Lorz
Hessischer Kultusminister

Bodo Ramelow

Ministerpräsident des Freistaats Thüringen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

für den Bildungspluralismus in unserem Land sind die Waldorfschulen – ebenso wie andere Schulen in freier Trägerschaft – unverzichtbar. Sie stehen für eine große Bandbreite päda- gogischer Konzepte. Mit ihren unterschiedlichen Profilen leisten die freien Schulen einen wichtigen Beitrag zur Qualitätsförderung und -entwicklung.

Die Thüringer Waldorfschulen verfolgen das nach wie vor aktuelle Ziel der Reformpädagogik, allen Kindern ungeachtet ihrer Herkunft Zugang zu Bildung zu ermöglichen und dabei insbe- sondere ihrem künstlerischen, kreativen Potenzial bestmöglich zur Entfaltung zu verhelfen. Sie lösen diesen Anspruch mit einem altersgemäßen Unterricht ein, der sich zum einen stark an den Interessen der Schülerinnen und Schüler orientiert und ihren individuellen Bedürfnis- sen Rechnung trägt, aber auch die Lehrpläne und Schulabschlüsse im Blick hat. Die Ange- bote der Waldorfschulen erfreuen sich daher großer und stetiger Beliebtheit.

Die Waldorfschulen in Eisenach, Erfurt, Weimar, Jena und Gera gehören zu einer großen Familie mit mehr als eintausend Schulen und zweitausend Waldorfkindergärten in 80 Län- dern der Welt. Sie wurden nach der Wiedervereinigung von außerordentlich tatkräftigen El- terninitiativen gegründet, die nicht nur für ihre Kinder von dem neu errungenen Recht der freien Schulwahl Gebrauch machen, sondern allen Familien einen Zugang zu alternativen, reformpädagogisch orientierten Schulformen eröffnen wollten. Heute lernen rund 1.500 Thü- ringer Schülerinnen und Schüler von der Grundstufe bis zum Abitur an einer unserer fünf Waldorfschulen.

In den kommenden Jahren muss unser Bildungssystem Antworten auf alte und neue Her- ausforderungen geben: Wie eröffnen wir allen Kindern faire und gerechte Zukunftschancen? Wie gleichen wir soziale Benachteiligungen aus und werden den Bildungsbedürfnissen einer heterogenen Schülerschaft gerecht? In diesem Prozess sind die Waldorfschulen und andere freien Schulträger wichtige Partner, die der Bildungspolitik innovative Entwicklungsimpulse geben können. In diesem Sinne danke ich allen Pädagoginnen und Pädagogen der Waldorf- schulen herzlich für ihr tägliches Engagement und hoffe auf ihre Unterstützung, wenn es da- rum geht, unser Bildungssystem zukunftsfest zu machen.

Ihr

Bodo Ramelow
Ministerpräsident des Freistaats Thüringen

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Dr. Stefanie Hubig

Bildungsministerin Rheinland-Pfalz

Sehr geehrter Damen und Herren, verehrte Festgäste,

100 Jahre Waldorfpädagogik und 40 Jahre Waldorfschulen in Rheinland-Pfalz – ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zu diesen beiden besonderen Jubiläen. Gerne überbringe ich auch die Glückwünsche unserer Ministerpräsidentin Malu Dreyer und der gesamten Landesregierung.

1919 – das Jahr nach dem verheerenden ersten Weltkrieg war gewiss kein einfaches Jahr –mit Hunger, Kämpfen und vor allem Ungewissheiten. Und doch war es ein Jahr des Aufbruchs. Das Kaiserreich ging und die Weimarer Demokratie kam. Es war die Geburt der ersten deutschen Demokratie, zu deren Wahl auch erstmals Frauen zugelassen waren. Ebenfalls in Weimar gründeten Künstler das Bauhaus als Kunstschule und Wiege des modernen Designs. Es war eine Zeit, ja es war dieses besondere Jahr, in dem sich überall neues Denken Bahn brach.

Und so schuf auch Rudolf Steiner nach dem Ende des ersten Weltkriegs, auf Initiative von Emil und Berta Molt, eine Schule mit einer neuen Pädagogik und mit menschlicheren Werten. Er schuf sie für die Kinder der Arbeiterinnen und Arbeiter der Waldorf Astoria Zigarettenfabrik. Emil Molt war dort Direktor.

Aus dieser einen Schule in Stuttgart sollte sich in den kommenden hundert Jahren eine weltweite Bewegung entwickeln, mit über 1100 Schulen in 80 Ländern, davon 245 allein in Deutschland. Es ist eine Erfolgsgeschichte, die im Jahre 1919 so gewiss noch niemand vorhersehen konnte. Umso unvorstellbarer war, dass es 60 Jahre später in einem Land namens Rheinland-Pfalz – das es ja damals längst noch nicht gab – auch die erste Waldorfschule geben sollte, gegründet in seiner Landeshauptstadt Mainz.

Das war 1979 und ein klug gewähltes Jahr, weil wir seither immer gemeinsam Jubiläum feiern können: das der Waldorfpädagogik, das der Mainzer Waldorfschule und das der Waldorfschulen in Rheinland-Pfalz. Denn bei dieser einen Mainzer Schule sollte es nicht bleiben. Ich komme gleich darauf.

Die Mainzer Waldorfschule war nicht nur die erste in Rheinland-Pfalz. Sie ist auch ein gutes Beispiel für die Verbindung der Schulen mit ihrem Umfeld. Dass Sie sich das KurfürstlicheSchloss, die „Meenzer Gudd Stubb“ – in der vor drei Wochen die Fernsehsitzung stattfand –für diesen Festakt ausgesucht haben, kann man als Symbol für die enge Verbundenheit der Schule mit ihrer Stadt verstehen und dafür, dass die Schule längst fest in Mainz verwurzelt ist.

Das ist bei den Gründungsdaten allerdings auch nicht verwunderlich, denn die Delegiertenversammlung des Bundes der Freien Waldorfschulen hat die Gründung der Mainzer Schule am – Achtung – 11.11.1978 genehmigt.

Und das Richtfest des heutigen Schulgebäudes in Finthen fand am – Achtung – 11.11.1981 statt.

Der Mainzer Schule war also quasi von Gott Jokus, einer ganz besonderen Gottheit hier in Mainz, von Anfang an Erfolg garantiert. So verwundert es auch nicht, dass bei den Projekttagen Anfang Februar in der Waldorfschule fleißig an den Kostümen für den Jugendmaskenzug gearbeitet wurde. Die ganze Schulgemeinschaft hat auch in diesem Jahr geschlossen daran teilgenommen. Dieser sehr gelungene Auftritt wurde dann auch mit dem ersten Preis und einem zusätzlichen Sonderpreis belohnt! Herzlichen Glückwunsch!

Meine Damen und Herren,

aus alldem spricht etwas, das die Waldorfschulen kennzeichnet: die enge Verbindung zu ihrer Umgebung. Waldorfschulen leben Engagement und sie leben vom Engagement. Das Wurzelnschlagen in der Stadtgesellschaft, es ist für die Waldorfschulen seit jeher ein wichtiger Bestandteil ihrer Identität. Die Mainzer Schule war die erste Freie Waldorfschule in Rheinland- Pfalz und ist damit die Älteste der mittlerweile neun Geschwister:

Es folgten nämlich Freie Waldorfschulen in Trier (1980), Neuwied (1985), Frankenthal (1987), Otterberg (1991), Diez (1996), Kastellaun (2007), Lahnstein (2013) und Bad Kreuznach (2017). Für das Schuljahr 2019/2020 ist eine weitere Waldorfschule in Mayen geplant. Der Antrag für diese zehnte Schule wird gerade bei der ADD geprüft. Sie wird voraussichtlich zum neuen Schuljahr an den Start gehen.

Waldorfschulen verstehen sich als Verantwortungsgemeinschaft, in der Solidarität in besonderer Weise vorhanden ist und gelebt wird. Das unterstreicht den ganzheitlichen Ansatz ihrer Pädagogik. Sie fördern neben intellektuellen Fähigkeiten in besonderem Maße auch die musisch- künstlerischen, handwerklichen und gestalterischen Fertigkeiten junger Menschen. Gleichzeitigermöglichen sie den jungen Menschen die staatlichen Schulabschlüsse „Berufsreife“, „qualifizierter Sekundarabschluss I“, „Fachhochschulreife“ und „Abitur“.

Seit der Errichtung der ersten Waldorfschule vor 100 Jahren sind individuelle Förderung, Verbalbeurteilungen, Projekt- oder Epochenunterricht und früher Fremdsprachenerwerb feste Elemente der Waldorfpädagogik. Und diese Entwicklungen haben gewiss auch staatliche Schulen inspiriert. Wie auch dort steht die persönliche Bildung junger Menschen im Mittelpunkt des pädagogischen Handelns.

Unser Schulgesetz schreibt fest, dass die Schule Schülerinnen und Schüler befähigen soll, sich entsprechend ihrer Neigungen und Fähigkeiten zu entwickeln, selbstständig im Urteil und im Handeln zu werden und mehr und mehr Aufgaben in Gesellschaft und Staat zu übernehmen.

Diese persönliche Bildung, die Entwicklung zu verantwortungsvollen, offenen, sozialen und demokratischen Menschen ist heute wichtiger denn je. Man kann es auch in andere Worte fassen: „Learn to change the world“ – das Motto des Jubiläumsjahres bringt es sehr schön auf den Punkt.

Die Freien Waldorfschulen in Rheinland-Pfalz setzen ihre eigenen Akzente und ergänzen so unsere Schullandschaft. Das ist richtig und das ist auch der Auftrag unserer Landesverfassung: private Schulen zuzulassen und zu fördern, damit der Wettbewerb um den Weg, eine bestmögliche Förderung unserer Kinder und Jugendlichen zu erreichen, gelingt. Dieser Wettbewerb führt dazu, Neues zu versuchen, Alternativen aufzuzeigen, unterschiedliche Akzente zu setzen.

Und das gibt den Eltern sowie den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit der eigenen, bewussten Entscheidung. Diese bewusste Entscheidung ist Anspruch und Verpflichtung zugleich. Anspruch gegenüber der Schule und ihren Lehrkräften, ihr Bestes zu geben, und Verpflichtung zu persönlichem Einsatz.

Meine Damen und Herren,

die Freien Waldorfschulen haben in den vergangenen 40 bzw. 100 Jahren gezeigt, dass sie ihrem selbst gesetzten Anspruch gerecht werden, und die Eltern haben sie dabei in beispielloser Weise unterstützt. Waldorfschulen leben in besonderer Weise von den Initiativen und dem Engagement aller ihrer Mitglieder und zeichnen sich so als lebendige Gemeinschaft aus. Dies verdient Lob und Anerkennung. Aber, und auch das ist typisch für Waldorfschulen – sie geben sich mit einmal erreichten Zielen nie zufrieden, sondern entwickeln sich stetig weiter.

Um es an der Mainzer Schule festzumachen: Was in Finthen in Baubaracken begann, ist mit tatkräftiger Unterstützung der ganzen Schulgemeinschaft, besonders der Eltern und Freunde, der Kommune und natürlich auch des Landes zu einer Vorzeigeschule geworden, eine Bereicherung der Schullandschaft in Mainz.

Ich konnte mich vor zwei Jahren bei einem Besuch selbst davon überzeugen. Ich war beeindruckt vom lebendig-organischen Baustil der Hauptgebäude, der Leichtigkeit des

Ganztagsgebäudes oder dem beeindruckenden Kunsthaus – und zwar auf einem innovativ gestalteten Schulgelände mit vielen Pflanzen, Bäumen und Büschen. All das trägt einer wichtigen Erkenntnis Rechnung: Schule ist nicht nur Lern- sondern auch Lebensort. Sie vermittelt nicht nur Wissen und Kompetenzen, sondern auch Geborgenheit und erleichtert so den Einstieg der Schülerinnen und Schüler ins Erwachsenwerden und den Zusammenhalt der gesamten Schulgemeinschaft.

Meine Damen und Herren,

ich wünsche Ihnen, ich wünsche der Waldorfschule sehr, dass dieses Miteinander zum Wohle der Kinder und Jugendlichen auch in den nächsten 40 bzw. 100 Jahren den Geist der Waldorfschulen prägen wird.

100 Jahre Waldorfpädagogik und 40 Jahre Freie Waldorfschule in Rheinland-Pfalz sind ein ganz besonderer Grund zur Freude und ein Anlass zu feiern. Ich freue mich, dass ich das heute mit Ihnen zusammentun darf.

Herzlichen Dank

Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig

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Winfried Kretschmann

Ministerpräsident Baden-Württemberg

Vor genau einem Jahrhundert, wurde im September 1919, im großen Saal des Stadtgartens Stuttgart, eine – gemessen an der Verbreitung im In- und Ausland – der erstaunlichsten und erfolgreichsten Bildungsideen des letzten Jahrhunderts umgesetzt: die Waldorfschulbewegung. Damit wurde nicht nur eine Schule, sondern eine ganze Bewegung begründet. Sie prägte die Mentalität der Stadt und des Landes und wirkte weit über Deutschland hinaus in alle Welt. Zum 100- jährigen Bestehen gratuliere ich auch im Namen der Landesregierung sehr herzlich.

Mit der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe wollte der weitsichtige Unternehmer Emil Molt den Kindern seiner Fabrikarbeiter den Zugang zu Bildung ermöglichen. Er hat damit das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht, wie es auch heute noch ganz aktuell ist. Und mit inzwischen über 1000 Waldorfschulen hat sich seine Idee zu einer weltweiten Schulbewegung entwickelt.

Für die Vielfalt unseres Bildungssystems war es ein großes Glück, dass nach dem Zusammenbruch der Monarchie Schulen in freier Trägerschaft eingerichtet werden konnten und mutige und überzeugte Menschen wie Emil Molt und Rudolf Steiner diese Möglichkeit nutzten.

Allen, die an Freien Waldorfschulen arbeiten und lernen, wünsche ich alles Gute für die Zukunft. Der Waldorfschule

wünsche ich, dass sie ihre Eigenart und ihren Eigensinn beibehält und die Schullandschaft in Baden-Württemberg und auf der ganzen Welt weiterhin bereichert.

Winfried Kretschmann
Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg

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